Umgangsrecht

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Das Umgangsrecht ist zunächst als Recht des Kindes zu verstehen, mit seinen Eltern oder mit einer anderen wichtigen Bezugsperson Zeit verbringen zu können. In der Praxis jedoch geht es häufig darum, ob es in einer Trennungssituation dem Wohl des Kindes dienlich ist, mit beiden Elternteilen Umgang zu haben. Das Gleiche gilt auch für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind eine enge Bindung hat.

Vereinbarungen zum Umgang

Vereinbarungen zum Umgang zwischen den Eltern sind auch ohne ein familiengerichtliches Verfahren wirksam, solange die Eltern eine Vereinbarung treffen, die dem Kindeswohl dienlich ist. Grundsätzlich wir das Familiengericht nur auf Antrag eines Elternteils oder beider Elternteile tätig.

Regelungsinhalt

Es ist gesetzlich nicht geregelt, wie der Umgang ausgestaltet sein muss. Zeit, Dauer oder der Ort des Umganges muss je nach Einzelfall beurteilt und geregelt werden. Zumindest für die Dauer des Umganges hat es sich herausgebildet, dass diese altersabhängig zu gestalten ist. Ein Kleinkind wird in der Regel nur wenige Stunden mit dem Umgangsberechtigten verbringen. Ein Kind im Kindergartenalter kann schon einen ganzen Besuchstag beim Umgangsberechtigten verbringen. Ein schulpflichtiges Kind kann einen Umgang mit Übernachtung haben. Üblich sind in diesem Fall Umgangskontakte zweimal monatlich.

Feiertage und Ferien

Die Regelungen von Feiertags- und Ferienumgängen sind besonders wichtig, da das Kind in diesen Zeiträumen länger als das übliche Maß und außerhalb der normalen Regelungen bei dem umgangsberechtigten Elternteil verbleiben darf. Üblich ist hier eine hälftige Aufteilung der Feiertage sowie der Ferienzeiten.

Genaue Regelungen

In einer Umgangsvereinbarung sollten Einzelheiten des Umganges möglichst genau geregelt werden, insbesondere, wer das Kind wo abholt und wieder zurückbringt. Die Uhrzeiten sollten genau abgestimmt werden. Sollte eine Kommunikation mittels Telefon oder über Nachrichten stattfinden, sollte dies genauestens geregelt werden. Dies ist wichtig zur Konfliktvermeidung bei der Umsetzung der Vereinbarung und später eventuell im Raum stehender Zwangsmaßnahmen.

Verzicht

Ein Verzicht auf Umgang kann nicht wirksam vereinbart werden. Eine Vereinbarung, welche einen Verzicht eines Elternteils auf den Umgang beinhaltet, ist sittenwidrig und gemäß § 138 BGB unwirksam.

Kindeswille

Auch im Umgangsverfahren gilt, dass der Wille des Kindes altersabhängig zu bewerten ist. Etwa ab dem 9. Lebensjahr des Kindes kommt dessen Willen eine ganz erhebliche Bedeutung zu.

Jedoch ist hier zu beachten, dass selbst wenn das Kind einen Umgang ablehnt, das Gericht auch gegen diesen geäußerten Willen des Kindes nach einer Abwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Kindes und dem Interesse des umgangsberechtigten Elternteils durchaus dazu kommen kann, dass der Umgang stattfinden soll. Hier ist jedoch zu beachten, dass erzwungene Umgangskontakte zwischen Eltern und Kindern im Ergebnis wertlos sind. Insbesondere können bei angeordneten Umgangskontakten angespannte Situationen entstehen, wenn das Kind älter. Häufig hat der Kindeswille ab einem Alter von 13 Jahren Vorrang, so dass Umgangskontakte gegen den Willen des Kindes nicht mehr durchgeführt werden müssen.

Elternkonflikte dürfen Kindeswohl nicht beeinträchtigen

Es ist zu beachten, dass Umgangsstreitigkeiten mit enormen emotionalen Belastungen, gerade auch für das Kind, verbunden sein können. Häufig geraten Kinder in Loyalitätskonflikte aufgrund der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern. Kein Elternteil hat aber das Recht, die Konflikte auf der Paarebene auf das Kind zu projizieren. Entscheidend ist das Kindeswohl. Sobald es bei dem Umgang eines Elternteils mit seinem Kind zu Problemen kommt, sollte unverzüglich das Jugendamt oder eine andere zuständige staatliche Stellen einschalten werden, damit frühzeitig der Entfremdung des Kindes mit dem Elternteil entgegengewirkt werden kann.

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